Aktive Immunisierung (Impfung) und passive Immunisierung sind beides Methoden zum Schutz vor Infektionskrankheiten, aber sie funktionieren unterschiedlich.
Ziel der aktiven Immunisierung – der Impfung – ist es, einen langfristigen Schutz vor Infektionskrankheiten aufzubauen. Bei einer Impfung wird ein Impfstoff verabreicht, der das Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen gegen bestimmte Krankheitserreger anregt.
Der Impfstoff kann aus abgeschwächten und unschädlich gemachten Krankheitserregern (Lebendimpfstoff), inaktivierten Krankheitserregern oder auch Teilen davon bestehen (Totimpfstoff). Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Impfstoff genetisches Material des Krankheitserregers enthält – den Bauplan, aus dem in menschlichen Zellen dann das entsprechende Protein gebildet wird. Diese Impfstoffe werden genetische Impfstoffe, genbasierte Impfstoffe oder Nukleinsäure-basierte Impfstoffe genannt. Hierzu gehören u. a. vektorbasierte Impfstoffe, mRNA- und DNA-Impfstoffe. DNA-Impfstoffe sind in Europa bislang noch nicht zur Anwendung beim Menschen zugelassen.
Die Bestandteile des Erregers, die eine Immunantwort auslösen, werden als Antigene bezeichnet. Als Reaktion auf die Konfrontation mit einem Antigen bildet das Immunsystem Antikörper und Gedächtniszellen. So entsteht ein körpereigener Schutz, der jedoch nicht sofort wirkt, sondern sich erst im Laufe von Tagen bis wenigen Wochen aufbaut. Wenn man sich anschließend mit dem echten Erreger ansteckt, kann das Immunsystem schnell aktiv werden und die Erkrankung abwehren.
Bei einer passiven Immunisierung werden fertige Antikörper (Immunglobuline) verabreicht. Dies ist in Situationen erforderlich, in denen ein schneller Schutz aufgebaut werden soll. Beispiele hierfür sind Infektionen mit Tollwutviren oder nach einer Verletzung mit möglichem Kontakt zu Tetanuserregern, wenn kein ausreichender Impfschutz besteht. Auch bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Gabe von Antikörpern sinnvoll sein, wenn sie selbst keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen können.
Seit 2024 wird in Deutschland für Neugeborene und Säuglinge die Gabe des Antikörpers Nirsevimab empfohlen. Dadurch sind sie in ihrer ersten RSV-Saison passiv vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) geschützt (RSV-Prophylaxe).
Geeignete Antikörper werden entweder aus menschlichem Blutplasma gewonnen oder gentechnologisch (monoklonale Antikörper) hergestellt.
Die passive Immunisierung bietet einen schnellen, aber zeitlich begrenzten Schutz, weil die Antikörper im Körper mit der Zeit (wenige Wochen bis Monate) abgebaut werden.
Eine natürliche Form der passiven Immunisierung ist der sogenannte Nestschutz: Antikörper werden während der Schwangerschaft über die Plazenta und nach der Geburt über die Muttermilch auf das Ungeborene beziehungsweise den Säugling weitergegeben.
Für manche Erreger gibt es sowohl eine aktive als auch eine passive Immunisierung. Wird beides gleichzeitig gegeben, spricht man von einer Simultanimpfung.