Abwassertestungen auf Polioviren dienen als Frühwarnsystem. Sie werden in vielen Ländern regelmäßig durchgeführt. Finden sich in Abwasserproben an verschiedenen Orten Polioviren, weist das auf eine gewisse Verbreitung dieser Viren hin. In Deutschland hat das Umweltbundesamt (UBA) Expertise und Zuständigkeit für Abwasser.
Durch genetische Analyse des Viren-Erbguts lässt sich näher bestimmen, um welche Art von Polioviren es sich handelt, also um ein Wildvirus, Impfvirus oder Impfstoff-abgeleitetes Virus.
Generell zeigen Nachweise im Abwasser, dass es Menschen im Einzugsgebiet des Klärwerks gibt, die vom Schluckimpfung-abgeleitete Polioviren mit dem Stuhl ausscheiden. Bei diesen handelt es sich um abgeschwächte Lebendviren, die sich so verändert haben, dass sie unzureichend geimpfte Menschen potenziell krank machen können, wenn diese Menschen mit infizierten Personen oder Personen, die diese Viren ausscheiden, in Kontakt kommen.
Die im November 2025 in einer einzelnen Abwasserprobe aus Hamburg nachgewiesenen Polio-Wildviren vom Typ 1, die aktuell nur noch in Afghanistan und Pakistan vorkommen, stellen laut Robert Koch-Institut (RKI) für die Bevölkerung aufgrund der hohen Impfquoten ein sehr geringes Risko dar (Epidemiologisches Bulletin 46/2025) Die letzte in Deutschland erworbene Polio-Erkrankung durch Polio-Wildviren wurde 1990 erfasst.
Dem RKI wurden bislang keine klinischen Fälle oder Verdachtsfälle von Poliomyelitis (Kinderlähmung) übermittelt.
Stand:
13.11.2025
(#10153)