Impfstoffe gegen COVID-19

In Europa sind aktuell zwei mRNA-Impfstoffe und zwei Vektorimpfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zugelassen. Weitere befinden sich im Zulassungsprozess. Wie schützen sie vor einer Infektion mit dem Virus und worin unterscheiden sie sich?



Gemeinsames Wirkprinzip der COVID-19-Impfstoffe

Es sind unterschiedliche Impfstofftypen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zugelassen. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit ist das Grundprinzip, wie sie uns vor dem Coronavirus schützen, gleich: Dem Immunsystem wird ein bestimmter Bestandteil des Coronavirus SARS-CoV-2, das sogenannte Antigen, präsentiert, gegen das das Immunsystem in der Folge einen Schutz entwickelt. Das in den Impfstoffen verwendete Antigen ist ein Oberflächenprotein des Virus, das als Spikeprotein bezeichnet wird. Das Immunsystem erkennt dieses Spikeprotein als Fremdkörper und entwickelt einen Immunschutz dagegen. Dabei kommt es zur Ausbildung von Antikörpern und bestimmter Immunzellen, sogenannter T-Zellen, gegen das Virus. Nach Ausbildung des Immunschutzes erkennen die Antikörper und Immunzellen bei erneutem Kontakt mit dem Coronavirus das Spikeprotein und bekämpfen das Virus. Gemeinsam schützen diese Abwehrmechanismen vor einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 und schweren Krankheitsverläufen.

Unterschiedlich ist bei den verschiedenen Impfstoffen, auf welche Art und Weise sie dafür sorgen, dass das Spikeprotein dem Immunsystem präsentiert wird, um den Immunschutz aufzubauen. 

Momentan sind zwei mRNA-Impfstoffe und zwei Vektorimpfstoffe zugelassen. Weitere Impfstoffe gegen COVID-19 befinden sich bereits im Zulassungsprozess bei der Europäischen Zulassungsagentur EMA (European Medicines Agency). Daher wird mit weiteren Zulassungen von Impfstoffen gegen COVID-19 noch in diesem Jahr gerechnet.  

Wissenswertes zu den mRNA-Impfstoffen

Derzeit sind in Europa und damit auch in Deutschland zwei mRNA-Impfstoffe zugelassen: Comirnaty® von BioNTech/Pfizer und Spikevax® (COVID-19 Vaccine Moderna) von Moderna. Beide Impfstoffe sind ab einem Alter von 12 Jahren zugelassen.

Bei beiden Impfstoffen sind zwei Impfungen erforderlich. Für Comirnaty® wird ein Abstand von drei bis sechs Wochen empfohlen und für Spikevax® ein Abstand von vier bis sechs Wochen. Sollte der empfohlene maximale Abstand zwischen der 1. und 2. Impfung überschritten worden sein, kann die Impfserie dennoch fortgesetzt werden und muss nicht neu begonnen werden.

Die mRNA-Impfstoffe sind eine neue Klasse von Impfstoffen. Die Impfstoffe bestehen aus Boten-RNA (mRNA, messenger RNA). RNA ist die Kurzbezeichnung für Ribonukleinsäure. RNA ist Träger von genetischer Information. Die Boten-RNA der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna enthält die genetische Information für den Bauplan des Oberflächenproteins (Spikeproteins) des Coronavirus SARS-CoV-2. Die mRNA wird bei der Herstellung des Impfstoffes mit kleinen Fettmolekülen (Lipidpartikeln) gemischt, die nach Impfung die Aufnahme der mRNA in einige wenige menschliche Körperzellen ermöglichen. In den Körperzellen wird diese genetische Information abgelesen, die daraufhin das Spikeprotein produzieren. Dies wird dem Immunsystem präsentiert und ein Immunschutz entwickelt sich (siehe oben und   „Was wissen wir über mRNA-Impfstoffe?“).

Wissenswertes zu den Vektorimpfstoffen

Derzeit sind in Europa und damit auch in Deutschland zwei sogenannte Vektorimpfstoffe zugelassen: Vaxzevria® von AstraZeneca und COVID-19 Vaccine Janssen® von Janssen-Cilag International (Johnson & Johnson). Beide Vektorimpfstoffe sind ab einem Alter von 18 Jahren zugelassen und werden von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Menschen ab einem Alter von 60 Jahren empfohlen.

Bei der Impfung mit Vaxzevria® (AstraZeneca) sind zwei Impfungen erforderlich. Als Impfabstand empfiehlt die Ständige Impfkommission einen Impfabstand von neun bis zwölf Wochen.

Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass die Immunantwort nach Vaxzevria® gefolgt von einem mRNA-Impfstoff (sogenanntes heterologes Impfschema) der Immunantwort nach zwei Impfungen mit Vaxzevria® deutlich überlegen ist. Die STIKO empfiehlt daher für Personen, die Vaxzevria® bei der ersten Impfung erhalten haben, unabhängig vom Alter einen mRNA-Impfstoff für die zweite Impfung. Der Impfabstand sollte dabei mindestens vier Wochen betragen.

Für diejenigen, die bereits zweimal mit Vaxzevria® geimpft wurden, gilt: Auch eine zweimalige Impfung mit Vaxzevria® schützt gut gegen schwere COVID-19-Krankheitsverläufe. Dies gilt auch für Erkrankungen mit dem Delta-Virus. 

Sollte der empfohlene maximale Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung überschritten worden sein, kann die Impfserie dennoch fortgesetzt werden und muss nicht neu begonnen werden.

COVID-19 Vaccine Janssen® (Johnson & Johnson) wird einmal geimpft.

Vektorbasierte Impfstoffe bestehen aus harmlosen Viren, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie in ihrem Erbgut den Bauplan für einen oder mehrere Bestandteile des Coronavirus SARS-CoV-2 enthalten. Diese Viren können sich im Körper nicht vermehren und daher keine Krankheit verursachen. Bei beiden derzeit zugelassenen Vektorimpfstoffen handelt es sich um Viren aus der Familie der Adenoviren (Erkältungsviren). Diese Impfviren enthalten das Gen mit dem Bauplan für die Herstellung des Oberflächen-Spikeproteins des Coronavirus SARS-CoV-2. Das Spikeprotein wird dem Immunsystem präsentiert, das daraufhin Abwehrmechanismen gegen das Virus entwickelt (siehe oben und  „Was wissen wir über vektorbasierte Impfstoffe?“). Es waren vor der SARS-CoV-2-Pandemie bereits Vektor-Impfstoffe gegen das Dengue-Fieber oder Ebola zugelassen.

Ist eine COVID-19-Auffrischimpfung erforderlich?

Bei vielen Impfungen wird nach einem bestimmten Zeitabstand eine Auffrischsimpfung (Booster-Impfung) empfohlen. Ob auch eine COVID-19-Auffrischimpfung notwendig ist, wird aktuell noch in internationalen Studien untersucht. Wenn weitere Daten vorliegen, wird die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Stellungnahme zu dieser Frage abgeben.

Trotz fehlender Empfehlung wird bereits Personen teilweise eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten, bei denen nach einer vollständigen Impfung möglicherweise keine ausreichende oder eine schnell nachlassende Immunantwort vorliegt. Zu diesen Personen gehören beispielsweise Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen oder auch Personen mit einer Beeinträchtigung des Immunsystems sowie pflegebedürftige Menschen und Menschen ab 80 Jahren. Auch Personen, die eine vollständige Impfserie mit einem Vektor-Impfstoff erhalten haben, wird teilweise bereits eine weitere Impfung angeboten.

Antworten auf viele Fragen zu diesem Thema finden Sie unter „Auffrischimpfung“.

 

Antworten auf häufig gestellte Fragen


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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 03.09.2021