COVID-19-Impfung bei Immunschwäche

Personen mit Immunschwäche haben ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe von COVID-19. Was empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) bei Personen mit Immunschwäche zum Schutz vor COVID-19?



Warum gelten besondere Regelungen zur COVID-19-Impfung für Personen mit Immunschwäche (Immundefizienz)?

Personen mit Immunschwäche (Immundefizienz) haben ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von COVID-19. Die Immunschwäche kann durch eine Erkrankung verursacht sein, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch die Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken (z. B. Kortison). Auch besteht bei Immunschwäche die Tendenz zur längeren Ausscheidung ansteckungsfähiger Viren. Dies kann über Wochen oder bei schwerer Immunschwäche auch über Monate gehen.

Durch die jahrzehntelange Erfahrung mit Totimpfstoffen ist bekannt, dass die Wirksamkeit der Impfung bei Personen mit Immunschwäche im Vergleich zu Personen ohne Immunschwäche vermindert sein kann. In welchem Ausmaß die Immunantwort vermindert ist, hängt von der Grunderkrankung und den eingesetzten Medikamenten ab. Zudem spielt das Alter eine Rolle, denn in höherem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems ab.

Personen mit Immunschwäche sollten möglichst gut gegen COVID-19 geschützt sein. Um dies zu gewährleisten, wird bei den Impfempfehlungen berücksichtigt, dass die Immunantwort gegenüber der Impfung schwächer ausfallen könnte als bei Personen ohne Immunschwäche.

Gerade für Personen ohne ausreichenden Immunschutz ist es zudem besonders wichtig, die AHA+L+A-Formel zu beachten: Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag in bestimmten Situationen Maske tragen, regelmäßig lüften und Corona-Warn-App nutzen.


Wie sollen sich Personen mit Immunschwäche gegen COVID-19 impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Personen mit Immunschwäche (Immundefizienz):

  • Bisher ungeimpfte Personen mit Immunschwäche (Immundefizienz) sollten ab einem Alter von 5 Jahren zunächst die Grundimmunisierung und zwei Auffrischimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff entsprechend der Empfehlungen für die verschiedenen Altersgruppen erhalten.
  • Bei Personen mit schwerer Immunschwäche ab einem Alter von 5 Jahren können mehrere Impfstoffdosen zur Optimierung der Grundimmunisierung notwendig sein. Diese Impfstoffdosen sollen im Mindestabstand von 4 Wochen zur jeweils vorangegangenen Impfung erfolgen.
  • Erst nach erfolgreicher Grundimmunisierung sollen zwei Auffrischimpfungen im Mindestabstand von 3 Monaten erfolgen.
  • Bei Personen, die eine gesicherte SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, muss im Einzelfall entschieden werden, wie viele weitere Impfstoffdosen für einen optimalen Schutz notwendig sind. Dies hängt von Art und Schweregrad der Immundefizienz ab.
  • Sollten nach der 3. Impfstoffdosis unverändert sehr niedrige oder keine spezifischen Antikörper messbar sein,
    • kann die Dosis des mRNA-Impfstoffs gesteigert werden,
    • kann ein Impfstoff einer anderen Technologie, zum Beispiel der proteinbasierte Impfstoff Nuvaxovid® (Novavax) oder der Vektorimpfstoff Jcovden® (COVID-19 Vaccine Janssen), angewendet werden,
    • können je nach Immunantwort weitere Impfstoffdosen im Abstand von 4 Wochen erwogen werden.

Welche Impfstoffe empfiehlt die STIKO bei Immunschwäche?

Bei Immunschwäche empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) abhängig vom Alter die Verwendung folgender Impfstoffe:

  • Bei Kindern im Alter von 5 Jahren erfolgt die Impfung mit Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) als Kinderimpfstoff (geringere Dosierung).
  • Bei Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren: Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) als Kinderimpfstoff (geringere Dosierung) oder Spikevax® (Moderna) als Kinderimpfstoff (geringere Dosierung). Im Alter von 6 bis 11 Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission, bevorzugt Comirnaty® einzusetzen. Die Verwendung von Spikevax® ist aber möglich.
  • Personen ab einem Alter von 12 Jahren: Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) oder Spikevax® (Moderna). Bis zum Alter von 30 Jahren sowie in der Schwangerschaft empfiehlt die STIKO jedoch die Verwendung von Comirnaty®.
  • Bestehen produktbezogene medizinische Gründe gegen die Verwendung von Comirnaty® oder Spikevax® (sogenannte Kontraindikationen), können Personen mit Immunschwäche, die ein hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben, ab dem Alter von 12 Jahren mit dem proteinbasierten Impfstoff Nuvaxovid® geimpft werden. Dies gilt auch für Personen, die auf die anderen Impfstoffe keine messbare Immunantwort entwickelt haben. Die Datenlage hierzu ist allerdings begrenzt.

Sollen Antikörpermessungen zur Kontrolle des Impferfolgs bei Personen mit Immundefizienz erfolgen?

  • Bei Personen mit leichter bis mittelschwerer Immunschwäche (Immundefizienz) wird die Messung der Antikörperspiegel nicht generell empfohlen. Ein Grund dafür ist, dass ein Wert, der einen sicheren Schutz bedeutet und damit weitere Impfungen unnötig machen würde, nicht bekannt ist.
  • Bei schwerer Immunschwäche, bei der eine verminderte Impfantwort erwartet wird, wird empfohlen, frühestens 4 Wochen nach der 2. Impfung UND frühestens 4 Wochen nach der 3. Impfstoffdosis zu untersuchen, wie hoch die Spiegel spezifischer Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 sind. Dabei kann die erste Antikörpermessung am gleichen Termin durchgeführt werden, an dem die 3. Impfstoffdosis verabreicht wird. Das Ergebnis dieser Messung muss vor Gabe der 3. Impfstoffdosis nicht abgewartet werden.
  • Über weitere Antikörpermessungen sowie die Messung der sogenannten T-Zell-Impfantwort sollte individuell entschieden werden.

Monoklonale Antikörper zum Schutz von Risikopersonen vor COVID-19

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bestimmten Risikogruppen zusätzlich zur Impfung eine medikamentöse Vorbeugung (Prävention) zum Schutz vor COVID-19. Hierfür empfiehlt die STIKO das Kombinationspräparat Evusheld®. Es besteht aus den beiden monoklonalen Antikörpern Tixagevimab und Cilgavimab. Diese Antikörper (Eiweiße) binden an die Oberfläche des Coronvirus SARS-CoV-2 und verhindern so, dass das Virus in die Zellen eindringt und sich vermehrt.

Zu den Risikopersonen, für die die STIKO diese vorbeugende Behandlung empfiehlt, gehören auch Personen mit einer Immunschwäche, bei denen nach Impfung gegen COVID-19 entsprechend den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO keine schützende Immunantwort auch nach mehreren Impfstoffdosen erwartet wird.

Das Medikament kann bei Personen ab einem Alter von 12 Jahren und einem Gewicht von mindestens 40 Kilogramm eingesetzt werden (siehe „Für wen werden monoklonale Antikörper zum Schutz vor COVID-19 empfohlen?“).

Kontaktpersonen von Personen mit Immundefizienz sollten unbedingt vollständig geimpft sein (COVID-19-Grundimmunisierung und ab 12 Jahren auch eine Auffrischimpfung). Dies gilt auch für andere Impfungen, wie zum Beispiel gegen Grippe (Influenza). Die Kontaktpersonen sollten im Umgang mit schwer immungeschwächten Personen zudem einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Antworten auf häufig gestellte Fragen

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 31.08.2022